Ein echter Künstler…

Vergangenes Wochenende fand unser erstes lustiges Kunstevent statt. Hierbei sei allen geschätzten 8 “fremden” Personen, die nicht über Freunde und Familie kamen, gedankt.

Mit einer von diesen “Fremdem” hab ich mich ein wenig länger über (abstrakte) Kunst unterhalten, sie malte früher auch gern mal, ist momentan aber “eingerostet”. Ein nettes Gespräch, genau mein Ding. Sie erzählt dann auch von einem anderen Künslter, mit dem sie gesprochen hatte… einem “echten Künstler”. Zwar entschuldigte sie sich sofort für diesen Ausdruck und ich fand’s auch überhaupt nicht schlimm, dennnoch blieb der Gedanke natürlich hängen.

Gestern las ich in einem Kommentar unter einem Artikel über die unsägliche EU-“Urheberrechtsreform” folgendes:

Mir geht es als Designer nicht nur um Geld. Es geht um Wertschätzung. Ich möchte nicht dass irgendein Dulli meine Illustrationen nimmt, seine Dünnpfiff darüber schreibt und veröffentlicht und sich über Klicks freut, als hätte er zwei Tage daran gezeichnet!

Den Dulli lassen wir vorerst außen vor. Interessant finde ich das “als hätte er zwei Tage daran gezeichnet”.

Es scheint noch immer vorherrschende Meinung zu sein, dass es irgendeine “objektive” Bewertungsgrundlage für “echte” oder “wertzuschätzende” Kunst gibt. Extrembeispiel: Wer sagt denn, dass der Dünnpfiff des Dullis, den er in 5 Minuten hingekrakelt hat, das Original nicht maßgeblich interessanter und damit wertvoller für viele Menschen macht?

Aber back to topic: Der echte Künstler mit seiner echten Kunst.

Aufwand, Mühe, handwerkliches Können, all die guten “deutschen” Qualitätsmerkmale sagen absolut nichts über den Wert eines Kunstwerks oder eines Künstlers aus.

Da der blöde Mensch aber scheinbar irgendwie immer externe Kriterien braucht, hinter denen sich seine eigene Bewertung verstecken kann, schlage ich folgende Alternativmaßstäbe vor, ab wann etwas als “echte Kunst” oder jemand als “echter Künstler” gilt:

    • Bekannte, beliebte Mainstreamsymbole (Barbie, Coca-Cola, Apple, Smartphones, Klamotten) müssen auf möglichst destruktive Weise dargestellt sein. Idealerweise collagiert mit passend zusammengestückelten Ausrissen aus Magazinen und Zeitungen.
    • Der Künstler muss mindestens ein ungesundes Hobby haben (Rauchen, Trinken, Kiffen, U-Bahnsurfen, Telefonstreiche), welches er aber im Laufe seiner Karriere ablehnt, da er durch seine Kunst gereinigt wurde.
    • Jedes Werk, was keine Sau versteht, ist als “seiner Zeit voraus” zu bezeichnen.
    • TV-Show “Künstlerkampf”. Jede Woche treten 20 junge Künstler zur Primetime gegeneinander an und hauen sich so lange auf die Murmel bis nur noch einer steht. Der darf sich dann für eine Woche “echter Künstler” nennen.
    • Es werden offizielle “Kunstprüfer” vom Staat bestellt, die bei der Erstellung “echter Kunst” anwesend sein müssen und sowohl das Drama als auch die aufgebrachte Zeit beim Erstellen eines Werkes messen. Damit etwas als “echte Kunst” gilt, muss mindestens ein Blutgefäß geöffnet UND mindestens eine Stunde und 58,3 Minuten mit der Kunstschaffung verbracht worden sein.
    • Kritik, Kritik, Kritik. Echte Kunst darf niemals einfach nur gut aussehen, Spaß machen, die Fantasie anregen oder auf andere Weise schön gefunden werden. Wenn der Künstler selber aus Unvermögen nicht imstande ist, die nötige kritische Backstory zu liefern, obliegt es dem o.g. Kunstprüfer, sich irgendwas auszudenken.
    • Kunst nebenbei ist keine Kunst, sondern HOBBY! Vollkommen egal, ob täglich 20 Werke entstehen. Solange es noch einen Hauptjob gibt oder man für seine Kunst nicht in der Gosse leben, die Kinder opfern oder den Eltern entsagen würde, KANN es keine Kunst sein.
    • Auf gar keinen Fall darf man sich für den “normalen” Menschen kommerzialisieren. Kommerz ja, aber dann nur für die hochgeschätzte Galerie-Klientel, die für einen Giclée-Print (fun fact: Ganz normaler Tintenstrahldruck wrapped in a fancy word) 150€ bezahlen, anstatt pöbeligen 30€.

Für den Anfang sollte das reichen.